Ev. Gemeindehaus - als Frauenklause einst Teil des Klosters

© W. Günther

Zusammen mit der Kirche bildet das Gemeindehaus das bei weitem älteste und schönste Gebäudeensemble der Gemeinde in Glatten.

Ein Blick in die Historie des Viertälerortes offenbart die wechselvolle Geschichte dieses Gebäudes, das von 1449 bis 1594 ein Franziskanerinnenkoster, die Frauenklause zu Glatta, beherbergte. Nach der Reformation verbot das Herzogtum Württemberg den verbleibenden fünf Nonnen zwar, Novizinnen aufzunehmen und katholische Gottesdienste abzuhalten, jedoch durften sie weiterhin in ihrer Klause wohnen bleiben. Erst im Jahr 1594 verzichtete die letzte Nonne für ein Leibgeding auf ihr Wohnrecht im Frauenkloster und gab dieses somit zur weiteren Nutzung frei. Die weitere Nutzung wird bereits im April 1595 durch Herzog Friedrich verfügt: Die baufälligen Klostergebäude werden abgebrochen, bereits fünf Jahre später wurde das auf den Grundmauern des alten Franziskanerinnenklosters erbaute evangelische Pfarrhaus eingeweiht. In den folgenden Jahrhunderten wurde das stattliche Pfarrhaus mehrfach grundlegend saniert und renoviert und von unzähligen Pfarrfamilien als Pfarrhaus genutzt. Erst im Jahr 1981/82 wurde in der Straße „Hinter der Kirche“ ein neue Pfarrhaus gebaut, seither wird das alte Pfarrhaus als Gemeindehaus rege genutzt.
Eine grundlegende Sanierung, an der sich viele ehrenamtliche Helfer beteiligten, stand im Jahr 2008 an: Das Erdgeschoss wurde komplett auf eine Ebene gebracht, der Gemeindesaal wurde vergrößert und verschönert und durch eine neue Küche ergänzt, zusätzlich wurde ein helles Foyer und neue Toiletten angebaut. Auch die Außenanlage wurde neu gestaltet. Während nun im Erdgeschoss der große teilbare Gemeinderaum und die moderne Küche flexible Nutzungen ermöglichen stehen im Obergeschoss Gruppenräume für die vielen kirchlichen Jugendgruppen zur Verfügung.

In den vergangenen Monaten (2019) wurde die Außenfassade grundlegend renoviert. Da das ehrwürdige Gebäude als Kulturdenkmal eingestuft ist, musste zuvor für alle Maßnahmen eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung eingeholt werden: Erst dann konnten die Fenster im Obergeschoss ausgetauscht und das gesamte Holzwerk um die Fenster samt der Fensterläden erneuert werden. Zusätzlich erhielt das gesamte Gebäude einen neuen Außenanstrich. Was dessen Farbwahl anbelangt, gab es innerhalb der Gremien hierüber im Vorfeld heiße Diskussionen. Lange Diskussionen gingen auch den Arbeiten am Schindelschirm voraus. Denn laut Denkmalamt sollte dieser lediglich repariert werden, wegen des schlechten baulichen Zustandes sprachen sich aber alle verantwortlichen Fachleute dafür aus, einen komplett neuen Schindelschirm anzubringen. Wie ein Blick auf das im neuen Glanz erstrahlte Gemeindehaus bestätigt, haben sich der große Aufwand und die  kontroversen Diskussionen gelohnt, denn das neu renovierte Glattener Gemeindehaus erstrahlt im neuen Glanz.

Vor allem aber erstrahlt es als ein Gemeindehaus, das den vielen Gruppen und Kreisen Raum bietet: Von der Mutter-Kind-Gruppe für die Kleinsten, den zahlreichen Buben- und Mädchenjungscharen, den Teeniegruppen, den Frauenkreisen und den vielen Gemeindeveranstaltungen, Kaffeenachmittagen und  Gemeindefesten, die im Gemeindehaus stattfinden. Im Laufe der Jahrhunderte entstand so aus der ehemaligen Frauenklause ein Haus der offenen Türen, das jeden herzlich willkommen heißt. Insofern haben sich auch die vielen Mühen und die Kosten für die jetzt vollendeten Außenrenovierung in Höhe von 185.000 € mehr als gelohnt.

Von Waltraud Günther, 10.11.2019